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Samstag, 21 März 2009 00:00

Helfer zog Betrunkenen aus brennendem Auto

Lebensretter

Kripobeamter Klaus Rieboldt (47) zog volltrunkenen aus brennendem Auto

Als Helden will er sich nicht feiern lassen. Doch ohne Klaus Rieboldt wäre die Trunkenheitsfahrt eines 58-Jährigen, er soll laut Polizei über vier Promille im Blut gehabt haben, in der Nacht zum Dienstag böse geendet: Sein Auto stand in hellen Flammen, als Rieboldt ihn rauszog. „Wenn er nicht gewesen wäre”, sagt der freiwillige Feuerwehrmann Niko Halwer und stockt: „. . . als ich kam, da war es schon zu spät.”

Aufregende Nacht für die Nachbarschaft

Eine aufregende Nacht haben sie alle hinter sich, die Anwohner der Faunastraße in Wattenscheid-Höntrop: der Kriminalkommissar Klaus Rieboldt (47), seine Frau Sandra Pöttmann (39) und Nachbar Niko Halwer (21). Fest geschlafen hatten sie, als Sandra Pöttmann von lauten Geräuschen aus dem angrenzenden Waldstück geweckt wurde. „Der hat mit seinem Auto wohl schon länger da gestanden und immer wieder Vollgas gegeben – obwohl er sich längst festgefahren hatte.”

Dabei hatte das Ehepaar zunächst vermutet, dass der Lärm von betrunkenen Jugendlichen stammt – und die Polizei gerufen. „Wir haben das aber weiter beobachtet”, erzählt Klaus Rieboldt. „Als ich gesehen habe, dass Funken aus dem Motorraum schlugen, habe ich nochmal telefoniert, um die Feuerwehr zu rufen – und dann bin ich losgerannt.”

Das Wageninnere war voll verqualmt

„Voll verqualmt” sei das Wageninnere da schon gewesen. „Ich konnte nicht sehen, ob jemand drin sitzt.” Wohl aber hören: Wüste Beschimpfungen, erzählt Rieboldt, habe der Betrunkene während der Rettungsaktion von sich gegeben. „Er hat sich komplett passiv verhalten, so dass ich ihn nur unter Aufbietung sämtlicher Kräfte aus dem Wagen zerren konnte”, erinnert sich der Kripobeamte.

„Der war auch bestimmt doppelt so schwer wie du”, wirft Sandra Pöttmann ein. Sie hatte in der Zwischenzeit Nachbar Niko Halwer aus dem Bett geklingelt. „Ich weiß ja, dass er bei der freiwilligen Feuerwehr ist.” Anschließend sei sie noch kurz zurück ins Haus, um zu schauen, ob ihr fünfjähriger Sohn noch schläft. „Dann habe ich den Knall gehört und bin losgerannt.” Zu jenem Zeitpunkt hatte ihr Mann den Fahrer bereits aus dem Wagen gezerrt.

Da ging mit durch den Kopf: Gesund ist das nicht

„Es waren schon vorab laute Knallgeräusche zu hören, aber ohne Druckwelle”, erzählt Rieboldt. Hat er da keine Angst gehabt? „An eine mögliche Fahrzeugexplosion habe ich gar nicht gedacht – nur daran, dass der Mann da raus muss.” Nachgedacht habe er während der Rettungsaktion nicht wirklich. „Als ich den Gurt gelöst habe und voll drin war in Qualm und Rauch, da ging mir nur durch den Kopf: Gesund ist das nicht.”

Ein Rätsel ist den Anwohnern, wie der betrunkene Fahrer sich in das Waldstück verirren konnte. „Ich kann mir nicht vorstellen, wie der sich im besoffenen Zustand durch die Bäume geschlängelt hat”, sagt Sandra Pöttmann, während Niko Halwer mutmaßt: „Der ist bestimmt über den Reiterhof gekommen.”

Die Aufregung ist noch da

Geschlafen haben sie in der Nacht alle nicht mehr. „Ich habe immer noch so ein Grundbrummen in mir drin”, sagt Sandra Pöttmann am Dienstagnachmittag. „Die Aufregung ist noch da.” Klaus Rieboldt hingegen fühlt sich lediglich müde: „Ich bin nicht aufgeregt, aber ich bin auch nicht der Typ dafür.” Wirklich ruhig geschlafen hat nur der fünfjährige Sohn der beiden: „Der war erst heute morgen ganz aufgeregt, als er das ausgebrannte Auto auf dem Abschleppwagen gesehen hat.” Ohne zu wissen, dass sein Vater ein Menschenleben gerettet hat.

 

Quelle: WAZ Wattenscheid 18.03.2009

http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/wattenscheid/2009/3/18/news-114716199/detail.html

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